Wir haben Marie gebeten, für dieses Interview zehn Minuten lang einfach mal nichts zu arbeiten. Keine Chance. Nach nicht einmal einer halben Minute schaut sie auf meinen Pullover. „Der Ärmel ist schief“, sagt sie. Ich lache verlegen. Eigentlich hätte ich wissen müssen, dass man bei einer Näherin mit Schlampigkeit nicht weit kommt. Marie grinst. „Ach was, so schlimm ist es nicht. Aber die Naht hätte ich wahrscheinlich anders gemacht.“ Da wusste ich: Es gibt Menschen, die sehen Kleidung. Marie sieht Handwerk.
Ist das eine Berufskrankheit oder schaust du wirklich überall auf Nähte?
(lacht) Leider schon. Das passiert ganz automatisch. Egal ob Jacke, Rucksack oder Sofakissen. Ich sehe sofort, wie etwas verarbeitet wurde. Mein Mann verdreht dann manchmal schon die Augen.
Wann hast du das letzte Mal gedacht: „Das sieht doch keiner“ und es trotzdem noch einmal gemacht?
Heute Morgen. Es war nur eine kleine Naht innen. Wahrscheinlich hätte sie nie jemand entdeckt. Aber ich hätte jedes Mal daran gedacht, wenn ich den Bezug wieder in der Hand gehabt hätte. Also habe ich sie noch einmal aufgetrennt. Das dauert zwei Minuten länger, aber danach ist es richtig.
Bist du privat auch so genau?
Nicht überall. Mein Kleiderschrank würde vermutlich etwas anderes behaupten. (lacht)
Was macht dich glücklicher: eine gerade Naht oder ein ehrliches Kompliment?
Das Kompliment. Wenn uns Kunden schreiben, dass sie endlich wieder gut schlafen, ist das ein richtig schönes Gefühl. Wir sehen die Menschen nie persönlich, aber wir wissen, dass unsere Arbeit bei ihnen ankommt. Das motiviert mich jedes Mal aufs Neue.
Was glauben Menschen über deinen Beruf, das überhaupt nicht stimmt?
Viele denken, Nähen wäre einfach. Stoff unter die Maschine, Pedal drücken und fertig. Tatsächlich steckt unglaublich viel Erfahrung dahinter. Jeder Stoff verhält sich anders, jede Naht braucht Aufmerksamkeit und manchmal merkt man schon nach den ersten Zentimetern, dass etwas nicht stimmt. Genau das macht den Unterschied zwischen Massenware und Handarbeit.
Wenn wir morgen alle Topper abschaffen würden, was würdest du stattdessen nähen?
Oh je … wahrscheinlich trotzdem irgendetwas mit Stoff. Ganz ohne könnte ich mir das gar nicht vorstellen.
Worüber kannst du herzhaft lachen?
Über mich selbst. Ich habe schon einmal minutenlang meine Stoffschere gesucht. Sie war die ganze Zeit in meiner Hand.
Du darfst für einen Tag den Beruf mit jemandem tauschen. Mit wem?
Mit einer Konditorin. Ich finde es faszinierend, wenn Menschen mit ihren Händen etwas erschaffen. Das verbindet unser Handwerk irgendwie. Und wenn am Ende noch Kuchen dabei herauskommt, hätte ich auch nichts dagegen.
Gibt es etwas, das du überhaupt nicht kannst?
Warten.
Wie viele Topper hast du wohl schon genäht?
Keine Ahnung. Wirklich nicht. Irgendwann hört man auf zu zählen. Es müssen viele Tausend sein, aber jeder einzelne soll trotzdem so ordentlich werden wie der erste.
Wann warst du das letzte Mal richtig stolz auf dich?
Vor Kurzem hat uns eine Kundin geschrieben, dass sie seit Jahren nicht mehr so gut geschlafen hat. Solche Nachrichten lese ich immer zweimal. Man merkt plötzlich, dass die eigene Arbeit viel mehr ist als Stoff und Nähte. Sie begleitet Menschen jeden Tag.
Was würdest du niemals an einem Produkt akzeptieren?
Nachlässigkeit. Fehler passieren jedem. Aber Gleichgültigkeit finde ich schwierig. Wenn jemand sagt: „Ach, das reicht schon“, denke ich immer: Nein, eigentlich reicht es eben noch nicht.
Du darfst jedem Topper heimlich einen kleinen Zettel einnähen. Was würde darauf stehen?
„Schlaf gut.“
Zum Schluss: Woran erkennt man eigentlich einen guten Topper?
Gar nicht sofort. Viele drücken einmal mit der Hand darauf und entscheiden dann. Dabei merkt man einen wirklich guten Topper oft erst nach einigen Nächten. Wenn man morgens aufsteht und sich einfach wohler fühlt. Deshalb finde ich Beratung so wichtig. Jeder Mensch schläft anders. Genau deshalb gibt es auch nicht den einen Topper für alle. Ich freue mich jedes Mal, wenn wir gemeinsam den finden, der wirklich passt.
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Das wollte ich natürlich auch noch wissen: Maries Favorit
“Ich empfehle Menschen, die sich nachts viel bewegen, häufig unseren Kaltschaum-Topper. Wer möglichst druckentlastend liegen möchte, sollte sich Visco anschauen. Und wenn jemand sagt, dass ihm nachts schnell warm wird, sprechen wir meistens über Visco-Gel.”
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Du hast eine Frage an Marie?
Marie und unser Team beraten dich gerne persönlich. Kostenlos, ehrlich und ohne Verkaufsdruck. Denn der beste Topper ist nicht der teuerste – sondern der, der zu dir passt.
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Ein vergessener Zentimeter beim Messen – gleich hundert Nächte zum Vergessen