H2, H3, H4. Klingt herrlich eindeutig. Ist es leider nicht. Der Härtegrad einer Matratze ist eine wichtige Orientierung beim Matratzenkauf – aber eben nur eine Orientierung. Denn zwei Menschen mit demselben Körpergewicht können auf derselben Matratze völlig unterschiedlich liegen. Und eine H3-Matratze kann sich bei einem Hersteller ganz anders anfühlen als bei einem anderen.
Wer den richtigen Härtegrad finden möchte, sollte deshalb nicht nur auf die Zahl hinter dem H schauen. Körpergewicht, Körperbau, Schlafposition, Matratzenaufbau und das persönliche Liegegefühl gehören zusammen. Wir erklären, was H2, H3 und H4 wirklich bedeuten – und warum am Ende nicht die Tabelle entscheidet, sondern dein Körper.
Was H2, H3 und H4 eigentlich bedeuten
Ganz einfach gesagt beschreibt der Härtegrad, wie weich oder fest eine Matratze ausgelegt ist und wie stark sie unter Belastung nachgibt. H2 steht dabei für ein eher weicheres bis mittelfestes Liegegefühl, H3 für mittelfest bis fest und H4 für eine deutlich festere Auslegung. Je höher die Zahl, desto fester also die Matratze.
Das klingt zunächst nach einem wunderbar einfachen System. Einmal wiegen, in einer Tabelle nachschauen, Matratze bestellen, gute Nacht. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Denn Härtegrade sind bei Matratzen nicht herstellerübergreifend einheitlich genormt. Ein H3 muss sich deshalb nicht bei jedem Hersteller gleich anfühlen. Dazu kommen Material, Konstruktion, Zonierung und Aufbau der Matratze. All das beeinflusst, wie sie tatsächlich auf deinen Körper reagiert.
„Der Härtegrad ist für uns ein guter Ausgangspunkt. Aber eine Matratze besteht eben nicht aus einem H und einer Zahl. Entscheidend ist, wie der gesamte Aufbau auf den Körper reagiert.“
Andrea Salvatore Falconieri, Abteilungsleiter Matratzenproduktion bei enjoy
Deshalb ist das Körpergewicht zwar ein sinnvoller erster Anhaltspunkt, aber keine alleinige Antwort. H2 eignet sich grundsätzlich eher für leichtere Menschen, H3 für mittlere bis höhere Körpergewichte und H4 für höhere Belastungen oder Menschen, die bewusst fester liegen möchten. Auf eine vermeintlich millimetergenaue Gewichtstabelle verzichten wir an dieser Stelle trotzdem bewusst. Zwei Menschen können beide 80 Kilogramm wiegen und völlig unterschiedlich gebaut sein. Körpergröße, Schulterbreite, Becken und Gewichtsverteilung verändern, wie stark und vor allem wo eine Matratze belastet wird.
80 Kilo sind eben nicht immer 80 Kilo
Stell dir zwei Menschen mit exakt demselben Gewicht vor. Einer ist 1,65 Meter groß und schläft fast ausschließlich auf der Seite. Der andere misst 1,90 Meter und liegt überwiegend auf dem Rücken. Auf der Waage steht dieselbe Zahl. Für eine Matratze sind es trotzdem zwei ziemlich unterschiedliche Aufgaben.
Besonders deutlich wird das bei Seitenschläfern. In Seitenlage müssen Schulter und Becken ausreichend einsinken können, während die Körpermitte weiterhin unterstützt wird. Ist die Matratze zu fest, entsteht schnell unangenehmer Druck. Rückenschläfer benötigen dagegen eine möglichst ausgewogene Unterstützung über eine größere Körperfläche. Und bei Bauchschläfern sollte insbesondere der Beckenbereich nicht zu tief einsinken, weshalb hier häufig ein etwas festeres Liegegefühl bevorzugt wird.
Genau deshalb ist auch der alte Satz „Bei Rückenschmerzen brauchst du eine harte Matratze“ viel zu einfach. Eine harte Matratze ist nicht automatisch eine gut stützende Matratze. Ist sie zu fest, können Schulter und Becken nicht ausreichend einsinken. Ist sie zu weich, können schwerere Körperbereiche wiederum zu tief absinken. Gesucht wird also nicht die härteste Matratze, sondern diejenige, auf der dein Körper gut unterstützt wird und du dich wohlfühlst.
„Viele Menschen kommen mit der Vorstellung zu uns: Ich habe Rückenschmerzen, also brauche ich eine harte Matratze. So einfach ist es nicht. Festigkeit und gute Unterstützung sind zwei verschiedene Dinge.“
Andrea Salvatore Falconieri
H2 oder H3? Willkommen im beliebtesten Grenzfall
Besonders häufig wird es interessant, wenn das eigene Gewicht genau in einem Übergangsbereich liegt. Dann lautet die Frage schnell: Soll ich lieber H2 oder H3 nehmen?
Die Antwort ist nicht automatisch H3, nur weil „etwas fester“ vermeintlich sicherer klingt. Gerade im Grenzbereich werden Schlafposition, Körperbau und persönliches Liegegefühl wichtiger. Wer ausgeprägte Schultern hat und viel auf der Seite schläft, kann beispielsweise eine andere Matratzenabstimmung angenehm finden als jemand mit demselben Gewicht, der fast ausschließlich auf dem Rücken schläft. Auch die Frage, ob du lieber etwas weicher einsinkst oder ein strafferes, direkteres Liegegefühl magst, gehört dazu.
Und dann ist da noch die Matratze selbst. Eine Kaltschaummatratze reagiert anders als eine Matratze mit Tonnentaschenfederkern. Selbst zwei Matratzen desselben Härtegrades können sich durch unterschiedliche Materialien, Kernhöhen, Zonierungen und Konstruktionen deutlich voneinander unterscheiden.
Der Härtegrad sagt also etwas über eine Matratze aus. Aber längst nicht alles.
„Wenn wir eine Matratze entwickeln, betrachten wir nie nur den Härtegrad. Kern, Material und Aufbau müssen zusammen funktionieren. Erst daraus entsteht das Liegegefühl.“
Andrea Salvatore Falconieri
H4 folgt übrigens derselben Logik. Die festere Variante ist insbesondere bei höheren Körpergewichten sinnvoll, weil die Matratze entsprechend mehr Belastung aufnehmen muss. Sie kann aber genauso für Menschen interessant sein, die bewusst straffer liegen möchten. Was H4 dagegen nicht bedeutet: bessere Qualität. Härtegrad und Qualität sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Im Doppelbett darf jeder seinen eigenen Härtegrad haben
Spätestens bei Paaren zeigt sich, warum eine einzige Härtegradregel nicht funktionieren kann. Wenn zwei Menschen unterschiedlich viel wiegen, verschieden gebaut sind oder einfach ein anderes Liegegefühl bevorzugen, gibt es keinen vernünftigen Grund, beide auf denselben Härtegrad zu zwingen.
Gerade bei größeren Doppelbetten können deshalb zwei Matratzenkerne mit unterschiedlichen Härtegraden sinnvoll sein. Auf der einen Seite beispielsweise H2, auf der anderen H3 oder H4. Außen sieht es weiterhin nach einem gemeinsamen Bett aus, innen bekommt jeder die Unterstützung, die zu ihm passt.
Liebe verlangt schließlich schon genug Kompromisse. Der Härtegrad muss keiner davon sein.
Zu hart, zu weich – oder einfach noch nicht die richtige Matratze?
Ob eine Matratze wirklich zu fest ist, merkt man häufig dort, wo der Körper stärker aufliegt. Schulter oder Hüfte fühlen sich gedrückt an, man wechselt häufig die Position oder hat in Seitenlage das Gefühl, eher auf der Matratze zu liegen, statt angenehm aufgenommen zu werden. Bei einer zu weichen Matratze kann dagegen besonders die Körpermitte stärker einsinken, als es angenehm ist. Drehen und Aufstehen fühlen sich möglicherweise schwerfälliger an und es fehlt das Gefühl ausreichender Unterstützung.
Wichtig ist dabei: Weich ist nicht schlecht. Fest ist nicht gut. Beides muss zum Menschen passen.
Und dann kommt häufig die nächste Frage: Kann nicht einfach ein Topper helfen? Er kann das Liegegefühl tatsächlich spürbar verändern. Ein druckentlastender Topper kann beispielsweise eine eher feste Oberfläche komfortabler machen. Was ein Topper aber nicht kann, ist eine grundsätzlich ungeeignete oder nicht ausreichend stützende Matratze zu reparieren. Wenn der Matratzenkern nicht zu deinem Körper passt, sollte man das Problem nicht einfach unter ein paar Zentimetern Schaum verschwinden lassen.
Also: Welchen Härtegrad soll ich nehmen?
Beginne mit deinem Körpergewicht. Nimm anschließend Körperbau und Schlafposition dazu. Überlege, ob du lieber etwas weicher oder straffer liegst. Und schau nicht nur auf H2, H3 oder H4, sondern auch darauf, wie die Matratze aufgebaut ist.
Wenn du danach zwischen zwei Härtegraden schwankst, ist das kein Zeichen dafür, dass du die Tabelle nicht verstanden hast. Es ist eher ein Zeichen dafür, dass eine Tabelle eben nicht auf deiner Matratze schlafen muss.
Wir bauen seit 2009 Matratzen in Paderborn und haben inzwischen mehr als eine Million Matratzen produziert. Dabei haben wir vor allem eines gelernt: Menschen sind unterschiedlich. Ihre Matratzen dürfen es auch sein.
Deshalb kannst du deinen passenden Härtegrad bei uns online eingrenzen – oder du machst es ganz analog. Komm in einem unserer Werksverkäufe vorbei, probiere unterschiedliche Matratzen und Härtegrade aus und lass dich beraten.
Manchmal beantwortet eine Minute Probeliegen eine Frage besser als zehn Tabellen.



Kaltschaummatratze: Was ist das eigentlich – und ist sie gut?
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