Kaltschaummatratze: Was ist das eigentlich – und ist sie gut?

Kaltschaummatratze. Klingt ein bisschen nach Kühlschrank, hat mit Kälte aber erstaunlich wenig zu tun. Tatsächlich schlafen ziemlich viele Menschen auf Kaltschaum – oft ohne genau zu wissen, was da eigentlich unter ihnen liegt.

Dabei lohnt sich ein genauerer Blick. Denn Kaltschaum lässt sich sehr unterschiedlich herstellen und verarbeiten. Er kann weich oder fest sein, unterschiedlich auf Druck reagieren und durch verschiedene Schnitte und Zonen ziemlich genau auf das Liegen abgestimmt werden. Aber was ist Kaltschaum überhaupt? Was bedeuten Angaben wie RG 35 oder RG 50? Sind sieben Zonen wirklich wichtig? Und wann ist Federkern vielleicht doch die bessere Wahl?

Wir haben uns die Fragen vorgenommen, die beim Matratzenkauf wirklich auftauchen – und zwischendurch jemanden gefragt, der ziemlich nah dran ist: Andrea Salvatore Falconieri, Abteilungsleiter unserer Matratzenproduktion bei enjoy.

Kaltschaum – unterschiedliche Raumgewichte

Kaltschaum. Was ist das eigentlich?

Kaltschaum ist ein elastischer Schaumstoff, der unter anderem für Matratzen und Polster verwendet wird. Seinen Namen hat er nicht, weil er sich besonders kalt anfühlt oder dich nachts kühlt. Der Begriff kommt aus der Herstellung des Schaums. Für dich ist aber etwas anderes viel wichtiger: Der fertige Schaum besteht aus sehr vielen kleinen Poren, gibt unter Belastung nach und kehrt anschließend wieder in seine ursprüngliche Form zurück.

Genau diese Eigenschaft macht ihn als Matratzenkern interessant. Wenn du dich hinlegst, soll der Schaum an stärker belasteten Stellen entsprechend nachgeben und deinen Körper gleichzeitig dort unterstützen, wo weniger Druck entsteht. Durch unterschiedliche Festigkeiten, Einschnitte und Profilierungen lässt sich dieses Verhalten zusätzlich beeinflussen. Deshalb kann sich eine Kaltschaummatratze weich und anschmiegsam anfühlen – oder ziemlich fest und stützend. „Kaltschaum“ sagt zunächst also nur, welches Material in der Matratze steckt. Noch nicht, wie bequem oder gut die Matratze ist.

„Kaltschaum ist nicht gleich Kaltschaum. Zwei Kerne können von außen fast gleich aussehen und sich beim Liegen trotzdem völlig unterschiedlich verhalten.“
Andrea Salvatore Falconieri, Abteilungsleiter Matratzenproduktion bei enjoy

Das ist auch der Grund, warum die Aussage „Ich mag keine Kaltschaummatratzen“ ungefähr so präzise ist wie „Ich mag keine Schuhe“. Vielleicht stimmt es. Vielleicht war es aber auch einfach die falsche.

Kaltschaum-close-Up

Warum überhaupt Kaltschaum – und für wen passt er?

Bei einer Kaltschaummatratze übernimmt der Schaum selbst die Federung und Unterstützung. Stahlfedern wie bei einer Federkernmatratze gibt es im Kern nicht. Stattdessen lässt sich beeinflussen, wie stark der Schaum nachgibt, wie schnell er wieder in seine Ausgangsform zurückkehrt und wie unterschiedliche Bereiche der Matratze reagieren. Typisch ist ein eher ruhiges und direktes Liegegefühl.

Grundsätzlich können Kaltschaummatratzen für Seiten-, Rücken- und Bauchschläfer geeignet sein. Viel wichtiger als das Material allein ist die Abstimmung der konkreten Matratze. Seitenschläfer benötigen beispielsweise genügend Nachgiebigkeit im Schulter- und Beckenbereich, während Rückenschläfer eine ausgewogene Unterstützung über eine größere Körperfläche brauchen. Bei Bauchschläfern sollte der Körper nicht zu tief einsinken. Dazu kommen Körpergewicht, Körpergröße, Körperbau und natürlich die sehr persönliche Frage, ob du lieber etwas fester oder weicher liegst.

Auch beim Schlafklima lohnt sich ein genauerer Blick. Ein offener Federkern bietet konstruktionsbedingt viel Raum für Luftzirkulation, während ein Schaumkern Wärme stärker isolieren kann. Das heißt allerdings nicht, dass man auf jeder Kaltschaummatratze automatisch schwitzt. Offenporige Schäume, Profilierungen, Lüftungskanäle und ein atmungsaktiver Bezug können den Luft- und Feuchtigkeitstransport unterstützen. Deshalb sollte man nie nur auf das Wort „Kaltschaum“ schauen. Kern, Profilierung, Bezug und Unterbau arbeiten immer zusammen.

Die bessere Frage lautet also nicht: Ist Kaltschaum gut? Sondern: Ist diese Kaltschaummatratze gut für mich?

RG 35, RG 50 und Co. Endlich verständlich.

Jetzt kommen wir zu einer dieser Angaben, die auf Matratzenbeschreibungen sehr wichtig aussehen und den meisten Menschen trotzdem erstmal herzlich wenig sagen: das Raumgewicht.

RG steht für Raumgewicht. Es gibt an, wie viel Material sich in einem Kubikmeter Schaum befindet. Ein Schaum mit RG 50 hat beispielsweise ein Raumgewicht von 50 Kilogramm pro Kubikmeter. Die Angabe gibt damit einen Hinweis auf die Materialdichte des Schaums und kann unter anderem für seine Formstabilität und Langlebigkeit relevant sein.

An dieser Stelle passiert allerdings häufig ein Denkfehler: RG 50 bedeutet nicht automatisch, dass der Schaum besonders hart ist. Das Raumgewicht ist nicht dasselbe wie der Härtegrad. Wie fest sich ein Schaum anfühlt, hängt von weiteren Eigenschaften und vom Aufbau des gesamten Matratzenkerns ab.

„Beim Raumgewicht denken viele zuerst an die Härte. Das sind aber zwei verschiedene Dinge. Ein höheres Raumgewicht macht eine Matratze nicht automatisch härter.“
Andrea Salvatore Falconieri

Andrea Salvatore Falconieri – Abteilungsleiter Matratzen enjoy

Vereinfacht gesagt beschreibt das Raumgewicht also eher, wie viel Material im Schaum steckt. Der Härtegrad beschreibt dagegen, wie fest die Matratze ausgelegt ist. Wer diese beiden Dinge auseinanderhält, hat beim Matratzenkauf schon einen erstaunlich großen Teil des Fachbegriffs-Dschungels hinter sich.

Sieben Zonen, H2, H3, 22 Zentimeter. Was davon ist wirklich wichtig?

Beim Matratzenkauf mangelt es nicht an Zahlen. Sieben Zonen, H2, H3, H4, RG 50, 18 Zentimeter, 22 Zentimeter. Das sieht herrlich wissenschaftlich aus. Entscheidend ist aber nicht, wie viele Zahlen auf dem Etikett stehen, sondern was dahintersteckt.

Beginnen wir mit den Liegezonen. Dein Körper belastet eine Matratze nicht überall gleich. Schulter und Becken sollen beispielsweise anders einsinken können als Taille oder Beine. Durch Einschnitte, Konturen oder unterschiedliche Strukturen im Kaltschaumkern können einzelne Bereiche gezielt unterschiedlich nachgeben. Genau das ist die Idee hinter einer 7-Zonen-Kaltschaummatratze. Sieben Zonen können sinnvoll sein – sie sind aber noch kein automatisches Qualitätssiegel.

Ähnlich verhält es sich mit dem Härtegrad. H2, H3 oder H4 geben eine Orientierung darüber, wie fest eine Matratze ausgelegt ist. Das Körpergewicht ist dabei ein wichtiger Anhaltspunkt, aber nicht der einzige. Körpergröße, Körperbau, Schlafposition und persönliches Liegegefühl spielen ebenfalls eine Rolle. Hinzu kommt, dass Härtegrade nicht herstellerübergreifend einheitlich normiert sind. Ein H3 muss sich deshalb nicht bei jeder Matratze gleich anfühlen.

Und dann wäre da noch die Matratzenhöhe. Auch hier gilt: Mehr Zentimeter bedeuten nicht automatisch mehr Qualität. Eine größere Kernhöhe kann mehr Spielraum für unterschiedliche Einsinkbereiche und Profilierungen bieten. Entscheidend bleiben aber Material, Kernaufbau und die Abstimmung der einzelnen Komponenten.

„Sieben Zonen, H3 und 22 Zentimeter sagen für sich genommen noch nicht, ob eine Matratze gut ist. Entscheidend ist, wie der komplette Kern aufgebaut ist.“
Andrea Salvatore Falconieri

Eine mittelmäßige Matratze wird eben nicht besser, nur weil sie besonders dick ist. Schau deshalb nicht nur auf die Gesamthöhe. Schau hinein.

Kaltschaummatratze oder Federkernmatratze?

Eine der häufigsten Fragen beim Matratzenkauf. Und leider gibt es darauf keine schöne Antwort wie: Kaltschaum gewinnt 3:1.

Beide Systeme funktionieren unterschiedlich. Bei einer Kaltschaummatratze übernimmt der Schaum die Anpassung an deinen Körper. Bei einer Tonnentaschenfederkernmatratze sitzen dagegen viele einzelne Stahlfedern in kleinen Taschen im Kern. Sie können unabhängig voneinander reagieren und dort nachgeben, wo dein Körper die Matratze belastet.

Kaltschaum vermittelt meist ein eher ruhiges Liegegefühl und lässt sich durch Schnitte und Profilierungen sehr gezielt gestalten. Ein Tonnentaschenfederkern fühlt sich typischerweise federnder an und bietet durch seinen offenen Aufbau eine gute Luftzirkulation. Wer nachts schnell warm wird, kann deshalb einen gut belüfteten Federkern als angenehm empfinden. Wer ein ruhiges und direktes Liegegefühl bevorzugt, fühlt sich möglicherweise auf Kaltschaum wohler.

Die Entscheidung sollte deshalb nicht „Schaum gut, Federkern schlecht“ oder umgekehrt lauten. Ein guter Kaltschaum ist besser als ein schlechter Federkern. Und ein guter Federkern ist besser als ein schlechter Kaltschaum. Das Material allein macht noch keine gute Matratze.

Und was ist mit einem Topper? Eine gute Kaltschaummatratze braucht grundsätzlich keinen. Matratze und Topper erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Die Matratze bildet die eigentliche Basis für deinen Körper, während ein Topper vor allem das Liegegefühl an der Oberfläche verändern kann. Je nach Material kann er sich beispielsweise fester, weicher oder stärker druckentlastend anfühlen. Was er nicht kann: eine durchgelegene oder grundsätzlich ungeeignete Matratze reparieren.

Die Rollenverteilung ist eigentlich ganz einfach: Die Matratze trägt. Der Topper verfeinert.

Woran erkennst du eine gute Kaltschaummatratze?

Nach all den Fachbegriffen lässt sich die Sache zum Glück wieder ziemlich einfach machen. Schau zuerst auf den Kern: Welcher Schaum wird verwendet, wie hoch ist der eigentliche Kern und wie ist er aufgebaut? Eine vernünftige Produktbeschreibung sollte dir diese Fragen beantworten. Das Raumgewicht gibt dir zusätzlich einen Hinweis auf die Materialdichte. Profilierungen und Liegezonen sollten einen nachvollziehbaren Zweck erfüllen und nicht einfach nur auf einer Grafik beeindruckend aussehen.

Dann kommt der Bezug. Schließlich liegt er jede Nacht direkt unter dir. Ist er abnehmbar? Kannst du ihn waschen? Welche Materialien werden verwendet und wie geht der gesamte Aufbau mit Wärme und Feuchtigkeit um? Beim Härtegrad solltest du dich wiederum nicht ausschließlich auf H2, H3 oder H4 verlassen. Die Angabe hilft bei der Vorauswahl, ersetzt aber nicht dein eigenes Liegegefühl.

Auch bei der Lebensdauer lohnt es sich, weniger auf pauschale Versprechen und mehr auf den tatsächlichen Aufbau zu schauen. Wie lange eine Kaltschaummatratze ihre Eigenschaften behält, hängt unter anderem von Schaumqualität und Materialdichte, der täglichen Belastung, dem Unterbau und der Pflege ab. Bleiben irgendwann deutliche Kuhlen bestehen oder gibt der Kern an einzelnen Stellen dauerhaft stärker nach, ist der tatsächliche Zustand wichtiger als irgendeine pauschale Jahreszahl.

Und dann gibt es noch ein Qualitätsmerkmal, das auf keinem Datenblatt vernünftig abgebildet werden kann: Wie fühlt sich die Matratze für dich an?

„Wir können über Raumgewicht, Zonen und Härtegrade sprechen. Am Ende ist Probeliegen trotzdem wichtig. Der eigene Körper merkt ziemlich schnell, ob eine Matratze passt.“
Andrea Salvatore Falconieri, Abteilungsleiter Matratzenproduktion bei enjoy

Wir bauen Matratzen. Deshalb dürfen wir ruhig ein bisschen genauer hinschauen.

Seit 2009 fertigen wir bei enjoy in Paderborn Matratzen, Topper und Boxspringbetten selbst. Schäume, Raumgewichte, Profilierungen und Bezüge sind für uns deshalb keine Begriffe aus einem Produktkatalog. Wir beschäftigen uns jeden Tag damit, was daraus am Ende eine Matratze macht, auf der man richtig gut schlafen kann.

Und weil wir nicht nur selbst fertigen, sondern auch selbst verkaufen, geht es anschließend ohne Umweg über den klassischen Möbelhandel direkt zu dir. Online oder in unseren Werksverkäufen.

Wenn du noch nicht weißt, ob eine Kaltschaummatratze zu dir passt, mach es deshalb nicht komplizierter als nötig. Komm vorbei, leg dich auf unterschiedliche Matratzen, probier verschiedene Härtegrade und Materialien aus und vergleich in Ruhe.

Denn RG 50 können wir dir erklären. H3 auch.

Wie gut du darauf schläfst, musst du ausprobieren.

In unseren Werksverkäufen in Paderborn, Lage und Nürnberg – und bald auch Münster –kannst du genau das tun. Und wenn du schon weißt, was du möchtest, kannst du deine Matratze natürlich auch direkt online bestellen.

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