5 Minuten mit Tobias Liekmeier
Topper sind eigentlich ganz einfach: Sie sind 90, 140 oder 180 Zentimeter breit. Mehr Zahlen als Emotionen, könnte man meinen. Tobias Liekmeier sieht das anders. Seit vielen Jahren leitet er die Vorpolsterei bei enjoy. und hat Tausende Topper gefertigt – vom schmalen Einzelbett bis zum 240 Zentimeter breiten Familienbett. Ein Gespräch über Größen, Lebensphasen und die Frage, warum ein Bett manchmal mehr über uns verrät, als wir selbst glauben.
Tobias, wir wollten heute eigentlich über Toppergrößen sprechen. Und dann sagst du plötzlich diesen Satz: „An Bettgrößen kann man sehen, wie Menschen leben.“ Ehrlich gesagt klingt das eher nach einem Soziologen als nach jemandem aus der Produktion. Wie meinst du das?
(lacht) Vielleicht liegt das daran, dass ich schon ziemlich lange in der Produktion arbeite. Am Anfang siehst du tatsächlich nur Maße. 90 × 200. 140 × 200. 180 × 200. Irgendwann kennst du jede Größe auswendig und denkst gar nicht mehr darüber nach. Aber mit den Jahren verändert sich der Blick. Plötzlich fällt dir auf, dass hinter bestimmten Größen erstaunlich oft ähnliche Lebenssituationen stehen. Ein 120er wird häufig von Menschen gekauft, die alleine schlafen, sich aber bewusst mehr Platz gönnen möchten. Ein 180er ist oft das klassische Doppelbett. Und wenn wir einen 240 × 200 Topper bauen, denke ich automatisch an Familien. Natürlich kenne ich die Menschen nicht. Aber irgendwann merkt man: Eigentlich fertigen wir keine Größen. Wir begleiten ganz unterschiedliche Lebensphasen.
Wenn das stimmt, dann müssten sich gesellschaftliche Veränderungen ja sogar in eurer Produktion bemerkbar machen.
Genau das passiert. Vor zehn oder fünfzehn Jahren haben wir deutlich weniger 120 × 200 oder 240 × 200 gefertigt. Heute gehören beide Größen ganz selbstverständlich dazu. Das hat wahrscheinlich weniger mit Betten zu tun als mit der Art, wie wir heute leben. Viele richten ihr Schlafzimmer bewusster ein als früher. Sie fragen nicht mehr nur: Welches Bett passt in den Raum? Sondern: Welches Bett passt eigentlich zu unserem Alltag? Wer alleine schläft, möchte vielleicht trotzdem viel Platz haben. Familien überlegen, wie sie die nächsten Jahre gemeinsam schlafen möchten. Solche Entwicklungen sieht man irgendwann sogar in einer Manufaktur. Nicht, weil die Produkte anders aussehen. Sondern weil sich ihre Verteilung verändert.
180 × 200 bleibt trotzdem euer Bestseller. Überraschend ist das nicht gerade. Warum hält sich diese Größe so hartnäckig?
Weil sie einfach unglaublich vernünftig ist. Zwei Menschen haben ausreichend Platz, das Bett passt in die meisten Schlafzimmer und praktisch jeder Hersteller bietet dafür Bettwäsche oder Spannbettlaken an. Es gibt kaum Argumente gegen diese Größe. Interessant finde ich aber etwas anderes: Früher haben viele einfach ein 180er gekauft, weil das eben der Standard war. Heute überlegen deutlich mehr Menschen, ob vielleicht 160 Zentimeter reichen oder ob 200 Zentimeter langfristig besser wären. Das Ergebnis ist oft trotzdem wieder ein 180er. Aber der Weg dorthin ist ein anderer. Die Entscheidung wird bewusster getroffen.
Gibt es eine Größe, die völlig unterschätzt wird?
Für mich ganz klar 120 × 200. Auf dem Papier sind das nur dreißig Zentimeter mehr als ein klassisches Einzelbett. Im Alltag fühlt sich der Unterschied deutlich größer an. Wer sich nachts viel bewegt, gerne liest oder sonntags mit einem Kaffee noch eine Stunde im Bett bleibt, merkt das ziemlich schnell. Ich glaube, viele Menschen unterschätzen, wie sehr ein Bett zum Lebensraum geworden ist. Früher war das Schlafzimmer oft einfach der Raum, in dem man geschlafen hat. Heute verbringt man dort deutlich mehr Zeit. Und plötzlich werden dreißig Zentimeter erstaunlich wertvoll.
240 × 200 wirkt dagegen fast übertrieben. Wer braucht so ein Bett?
(lacht) Wenn du diese Frage Eltern stellst, bekommst du wahrscheinlich ein müdes Lächeln. Von außen sieht ein Familienbett riesig aus. Morgens relativiert sich das erstaunlich schnell. Da liegt plötzlich ein Kind quer, irgendwo hat sich noch ein Kuscheltier breitgemacht und manchmal findet auch der Hund, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, mit ins Bett zu kommen. Ich glaube, Familienbetten sind gar kein Luxus. Sie sind einfach eine ziemlich ehrliche Antwort auf den Alltag vieler Familien. Und genau deshalb sehen wir diese Größe heute viel häufiger als noch vor einigen Jahren.
Du sprichst auffallend selten über Schaumstoffe, Raumgewichte oder Materialien. Stattdessen redest du ständig über Menschen.
Weil dort alles beginnt. Niemand steht morgens auf und sagt: Heute brauche ich unbedingt einen Visco-Topper. Die Menschen merken zuerst, dass sich etwas verändert hat. Vielleicht schlafen sie unruhiger. Vielleicht ziehen sie zusammen. Vielleicht bekommen sie ein Kind oder richten nach zwanzig Jahren ihr Schlafzimmer neu ein. Erst daraus entsteht die Frage nach dem richtigen Topper. Das Material ist wichtig, keine Frage. Aber es beantwortet erst die zweite Frage. Die erste lautet fast immer: Wie möchten wir eigentlich schlafen? Und diese Antwort fällt bei jedem Menschen ein bisschen anders aus.
Hat sich dadurch auch eure Beratung verändert?
Definitiv. Früher ging es häufiger darum, ein bestimmtes Produkt zu erklären. Heute hören wir viel genauer zu. Denn zwei Kunden können denselben Topper in derselben Größe kaufen und trotzdem völlig unterschiedliche Gründe dafür haben. Das eine Paar möchte eine durchgehende Liegefläche statt zwei einzelner Topper. Jemand anderes richtet gerade die erste gemeinsame Wohnung ein. Wieder jemand sucht einfach nach mehr Komfort, weil der Schlaf in den letzten Jahren nicht besser geworden ist. Das Produkt am Ende kann identisch sein. Die Geschichten davor sind es fast nie. Genau deshalb versuchen wir zuerst zu verstehen, was die Menschen eigentlich bewegt.
Du hast Tausende Topper durch deine Hände gehen sehen. Hat sich dadurch auch dein Blick auf Schlaf verändert?
Ja, ziemlich sogar. Früher war ein Bett für mich vor allem ein Produkt. Heute sehe ich darin eher einen Ort. Einen Ort, an dem Menschen zur Ruhe kommen, Gespräche führen, Kinder trösten, sonntags ausschlafen oder einfach mal nichts tun. Vielleicht klingt das ein bisschen philosophisch für jemanden aus der Produktion. Aber wenn man jeden Tag daran arbeitet, dass Menschen besser schlafen, denkt man irgendwann automatisch darüber nach, welche Rolle ein Bett eigentlich im Leben spielt. Und dann werden Maße wie 90 × 200 oder 240 × 200 plötzlich mehr als nur Zahlen. Sie werden Teil einer Geschichte.
Zum Schluss: Wenn du heute eine Entwicklung nennen müsstest, die dich wirklich freut – welche wäre das?
Dass Schlaf wieder wichtiger geworden ist. Nicht, weil plötzlich alle perfekt schlafen wollen. Sondern weil sich Menschen Zeit nehmen, darüber nachzudenken. Früher wurde ein Bett oft gekauft, wenn das alte kaputt war. Heute fragen sich viele: Was passt eigentlich zu unserem Leben? Für mich ist das eine gute Entwicklung. Denn wir verbringen ungefähr ein Drittel unseres Lebens im Bett. Da darf man sich ruhig ein paar Gedanken mehr machen als beim Kauf eines Esstisches. Und wenn wir mit unserer Erfahrung dabei helfen können, die passende Größe zu finden, dann haben wir unseren Job ziemlich gut gemacht.


Topper gegen Rückenschmerzen – Kann ein Topper wirklich helfen?
Welche Toppergröße passt zu deinem Bett?
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